München/Geretsried – Beste Laune herrschte bei den zwei Bläserklassen vom Gymnasium Geretsried auf der Heimfahrt vom diejährigen Bläserklassen-Wettbewerb des Bayerischen Blasmusikverbandes (BBMV) in München. Kein Wunder, schließlich war neben Instrumenten, Noten und Brotzeit auch ein Scheck, eine Urkunde und der Siegerpokal für den ersten Platz in Altersgruppe 1 im Gepäck.

Traditionell findet am Freitag nach Christi Himmelfahrt dieser musikalische Vergleich statt. In diesem Jahr war das Teilnehmerfeld so groß wie noch nie zuvor. „Angesichts dessen habe ich nicht im entferntesten mit einem derartigen Erfolg gerechnet“, verrät Alfred Menzinger, Musiklehrer und Leiter der Bläserklassen am Geretsrieder Gymnasium. Zwar hätten alle jungen Musikerinnen und Musiker seit September gewissenhaft geübt, in den wöchentlichen Ensemblestunden wurde eifrig an den Arrangements gefeilt und schon bald sehr ansehnliche bzw. -hörbare Ergebnisse erzielt. Allerdings ist Geretsried in Sachen Bläserklasse noch ein absoluter Newcomer, das Projekt startete erst 2014. Das man jetzt in der Konkurrenz mit Schulen, an denen das Konzept schon seit vielen Jahren etabliert ist, derart gut abgeschnitten hat, macht alle Verantwortlichen am Gymnasium, aber auch an der kooperierenden Musikschule Geretsried, die für die instrumentale Ausbildung verantwortlich zeichnet, äußerst stolz.

Schon 2015 errang die Pilot-Bläserklasse im ersten Anlauf einen überraschenden 4. Platz. Und das, obwohl die Geretsrieder damals zweifellos mit der kuriosesten Besetzung des Wettbewerbs antraten. Da damals die Zahl der Anmeldungen für Blasinstrumente für die Bildung einer ganzen Klasse nicht gereicht hätte, wurden ergänzende Instrumente wie Cello, Klavier, Gitarre und Schlagzeug mit aufgenommen. Diesesmal zeigte sich die Jury dem insgesamt sehr modernen Stil der jetzigen 6c gegenüber nicht ganz so aufgeschlossen. Zwar lobten die Juroren einzelne Aspekte wie z.B. die Interpretation eines Zwiefachen als Pflichtstück als „sensationell“, die Arrangements eines Blues oder eines traditionellen New-Orleans-Standards gingen trotz einer sehr gelungenen Darbietung wohl am Geschmack der Wertungsrichter vorbei. Insgesamt sprang für Klasse in Altersgruppe 2 für Bläser im zweiten Ausbildungsjahr immerhin ein beachtlicher 10. Platz heraus, wobei der Abstand zu den nächstbesseren Plätzen äußerst knapp war. „Mir hat das sehr leid getan“, beschreibt Menzinger seine Gefühle, „der große Einsatz und die auf den Punkt konzentrierte Leistung hätten meines Erachtens eine bessere Wertung verdient gehabt“.

Mehr als kompensiert hat diese leichte Enttäuschung aber das Juryurteil in Altersgruppe 1 für Bläserklassen, die erst seit September 2015 zusammen musizieren. Mit 277 von 300 möglichen Punkten erzielte die 5c aus Geretsried das Top-Ergebnis und wurde bei der Siegerehrung in der bis auf den letzten Platz besetzten alten Kongresshalle in München unter großem Jubel mit Urkunde, Pokal und Scheck über 500€ für ihre beeindruckende Darbietung belohnt. Den Wertungsrichtern imponierte – neben der exakten musikalischen Ausführung – vor allem die ausgestrahlte Leidenschaft, mit der die Geretsrieder bei ihrem Beitrag nicht nur bliesen, sondern auch klatschten und aus voller Kehle sangen. Jetzt dürfen sie sich als Anerkennung ein Jahr lang inoffizieller bayerischer Meister der Bläserklassen nennen. Und am Projekt Titelverteidigung wird sicher schon in den nächsten Proben gearbeitet werden – mit viel Spaß und Leidenschaft, wie auf der Wettbewerbsbühne.